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Donnerstag, 1. September 2016

The Drax Files: World Makers [Episode 40: Bernhard Dörries]

Quelle: Draxtor Despres / YouTube
Am 1. September 2016 ist die vierzigste Episode der Drax Files World Makers Reihe erschienen. Diese Episode ist recht speziell und zwar gleich in vielerlei Hinsicht. Zunächst einmal wird mit Bernhard Dörries ein 88-jähriger SL-Bewohner aus Deutschland vorgestellt. Deshalb ist auch diese World Makers Episode komplett in Deutsch. Und im Gegensatz zu den sonst relativ bekannten Namen in Draxtors Videoreihe, ist wahrscheinlich den meisten Leuten dieser hier nicht so bekannt.

Dann dürfte diese Episode mit sechseinhalb Minuten das längste Porträt eines SL-Bewohners sein, das Draxtor bisher für die World Makers Reihe erstellt hat. Und zu guter Letzt durfte ich am Entstehungsprozess dieser Episode passiv teilhaben und so kann ich ein paar Informationen zusätzlich liefern, die im Video oder in der YouTube Beschreibung vielleicht nicht erwähnt werden.

Im realen Leben ist Bernhard Dörries Schriftsteller, Drehbuchautor, Regisseur und Filmeditor. Mit Second Life begonnen hat er im zarten Alter von 80 Jahren als er sich 2008 unter dem Namen Bernhard McIntyre in SL anmeldete. Im Video sagt er, dass er zwar 88 Jahre alt sei, aber sich in Second Life wie 37 fühle. Und wie man etwas später auch sehen kann, war das nicht einfach so daher gesagt.

Bernhard am PC
Quelle: Draxtor Despres
Der eine oder andere Forennutzer auf SLinfo wird Bernhards Avatar-Name vielleicht noch kennen, denn bis 2014 hatte er dort mehr als 800 Beiträge geschrieben. Auch ich hatte ihm hier und da schon ein paar mal auf Fragen bezüglich Second Life geantwortet.

Seine berufliche Laufbahn als Filmemacher, begann Bernhard bereits kurz nach dem zweiten Weltkrieg in den Ruinen von München. Damals waren es hauptsächlich Kurzfilme und Dokumentationen, die er mit eigener Kamera direkt in den Straßen der bayerischen Landeshauptstadt gefilmt hatte. Dabei hat er oft versucht, sich vom damaligen dokumentarischen Durchschnitt abzuheben, indem er eher experimentell an die Betrachtung eines Themas heranging.

Dazu gehörte unter anderem die Darstellung des moralischen Verfalls der gesellschaftlichen Oberschicht in Deutschland, genauso wie kritische Berichte über den Sinn eines geteilten Deutschlands im kalten Krieg. Ein weiteres zentrales Thema der Dokumentationen von Bernhard, war der Einfluss von Kolonialmächten auf die Kunst in den Ländern des mittleren Ostens im 20. Jahrhundert. Eine einstündige Doku von 1972, kann zu diesem Thema im YouTube-Kanal von Bernhard angesehen werden.

"Die neun Rebellen von Oberhausen"
Film von 2014 mit Bernhard Dörries
Quelle: Draxtor Despres
Bernhard war auch einer der 26 Filmemacher (die meisten aus dem Raum München), die im Februar 1962, anlässlich der 8. Westdeutschen Kurzfilmtage in Oberhausen, das Oberhausener Manifest verfasst und unterzeichnet haben. Ziel war es, den als desolat bezeichneten deutschen Film der Nachkriegsjahre einen höheren Anspruch zu verleihen. Zu dieser Zeit waren es weitgehend Heimat- und Wirtschaftswunderfilme, die produziert wurden. Alles noch ein wenig mit dem Geruch von Hitlerdeutschland. Kurze Ausschnitte davon, sind auch in der World Makers Episode zu sehen.

Das Manifest beginnt mit den folgenden beiden Sätzen:
"Der Zusammenbruch des konventionellen deutschen Films entzieht einer von uns abgelehnten Geisteshaltung endlich den wirtschaftlichen Boden. Dadurch hat der neue Film die Chance lebendig zu werden..."
Das Oberhausener Manifest sollte nicht nur die festgefahrenen Produktionsstile deutscher Filme aufbrechen, sondern auch die Filmemacher finanziell und ressourcentechnisch unabhängiger machen. Das hat nach vielen kontroversen Diskussionen und einigen Verhandlungen, im Jahr 1965 dann zur Einrichtung des "Kuratoriums junger deutscher Film" geführt und erste neue Filmprojekte wurden danach mit Fördermitteln finanziert. Im Grunde war also das Oberhausener Manifest die Geburtsstunde des Neuen Deutschen Films.

Zum 50-jährigen Jubiläum des Oberhausener Manifests, wurde 2012 diese Initiative noch einmal mit vielen Presseberichten und einer Ehrung auf den 58. Kurzfilmtagen in Oberhausen gewürdigt. Zudem gab es auf Arte eine Dokumentation mit dem Namen "Die Rebellen von Oberhausen" zu sehen. Dieser Film erhielt durchweg positive Kritiken, ist aber leider in keiner Online-Mediathek zu finden. Deshalb hier nur zwei Links zum Thema:

In einem der beiden Berichte sagt Edgar Reitz, mit dem Bernhard viele Filme zusammen produziert hat, dass vom Manifest vor allem junge Regisseure wie Rainer Werner Fassbinder oder Werner Herzog profitiert hätten, obwohl die gar nicht zur Oberhausener Gruppe gehörten. "Die sind durch die Tür gegangen, die wir aufgemacht haben", sagte Reitz nur kurz dazu.

Einige der Oberhausener Manifest Unterzeichner bei einer Doku-Premiere von Arte 2012.
Bernhard ist der dritte von links.
Quelle: critik.de
Zu den bekannteren Filmen von Bernhard gehören die Produktionen Auf offener Bühne (1954), Schicksal einer Oper (1958), Stunde X (1959) und Der lange Abschied von Oberhausen (1974). Eine Übersicht aller seiner Filme habe ich nicht gefunden, aber es gibt einige kleinere Listen, wie zum Beispiel diese hier.

Ab 1960 hat Bernhard auch für das öffentlich-rechtliche Fernsehen gearbeitet. Meist hat er Dokumentarfilme für den Bayerischen Rundfunk und das ZDF produziert. In seiner mehr als 60-jährigen Laufbahn, hat er insgesamt 129 Filme erstellt. Ausschnitte von einigen, sind auch in der Drax Files Episode zu sehen. Leider wurden die meisten dieser Dokus vom Bayerischen Rundfunk an eine Unterfirma lizenziert und die hat das Material in irgendeinem Archiv eingelagert, so dass es nicht so ohne Weiteres zugänglich ist.

Am Anfang der Episode erzählt Bernhard auch, dass er vor einiger Zeit bei einem Spaziergang am Strand die Kontrolle über seine Beine verloren hatte und nicht mehr laufen konnte. Seitdem ist er auf einen Rollstuhl und Vollzeitpflege angewiesen, was ihm gar nicht so gut gefällt. Im Video macht er das auch deutlich. Ebenfalls kurz zu sehen, ist Bernhards Pflegerin, die scheinbar mit Interesse verfolgt, was er in Second Life so macht.

Bernhards mediterranes Haus auf Stromboli in Second Life
In SL hält sich Bernhard meist auf seiner Region "Stromboli" auf, die nicht einfach nur so heißt, sondern tatsächlich einen aktiven Vulkan beheimatet, mit Rauch und Lavastrom. Der Rest der Homestead-Region ist eine Mischung aus mediterranem Stil und bunter Spielwiese, inklusive einiger Haustiere.

Die Kontakte in Second Life helfen Bernhard dabei, trotz seiner Pflegebedürftigkeit nicht isoliert Leben zu müssen. Neben seiner SL-Freundin, die wohl der Hauptgrund dafür ist, dass er sich wie 37 fühlt, trifft er sich auch regelmäßig mit einem kleinen, internationalen Freundeskreis zum gemeinsamen Gedankenaustausch, oder auch nur zum Relaxen. Bernhard sagt selbst, so etwa in der Mitte der Episode, dass er ein ganz anderer Mensch ist, seit er Second Life für sich entdeckt hat.

Es gibt auch eine kurze Szene, in der Bernhard mit Freundin zu den Nachbarn geht und am Lagerfeuer im Zelt liegt. Als ich Stromboli gestern kurz besucht habe, ist mir sofort aufgefallen, dass ich die Nachbarregion kenne. Es handelt sich um Wetlands, einem sehr nett gestalteten Sim, zu dem ich schon Anfang 2014 einen Simtipp geschrieben hatte.

Bernhard und sein Avatar in SL
Quelle: Draxtor Despres
Bernhard hat übrigens 2011 auch ein langes Second Life Machinima erstellt. Man kann es hier auf YouTube ansehen. Der Inhalt wird in der Videobeschreibung grob erklärt. Deshalb hier nur die ersten Zeilen aus dem Beschreibungstext:
"In einer Filmkulissen-Stadt wird ein Remake eines US-Endzeitfilmes gedreht.

Der Hauptdarsteller wacht, nach einer Drehpause, in einem der "Häuser" auf und erkennt dann, beim Umherwandern in der Filmcity, nach und nach, dass er offenbar der einzige Mensch noch auf dem Planeten ist.

Er irrt dann durch die verschiedenen Drehort-Kulissen des riesigen Filmstudio-Geländes, findet aber, ausser einem, unartikuliert brabbelnden Zombie keine Menschenseele mehr..."

Bernhards Region Stromboli bei Nacht
Klar kann das Machinima optisch mit dem heutigen Second Life nicht mehr ganz mithalten. Aber es wurde eben auch schon vor fünf Jahren gedreht, kurz bevor Meshes in SL eingeführt wurden.

Die Musik am Anfang stammt von Rael Wissdorf, der heute gelegentlich bei Lesungen und Events der Brennenden Buchstaben mitwirkt. Und wenn ich gerade bei Musik bin. In der World Makers Folge ist, neben der Musik von Draxtor, auch kurz die Violine von Hannelore Dörries zu hören.

An dieser Episode waren insgesamt eine Menge Leute beteiligt, die nicht direkt zu sehen sind. Wer sich dafür interessiert, sollte die Textbeschreibung auf YouTube lesen (letzter Abschnitt). Dort sind alle Namen aufgeführt.

Abschließen möchte ich mit einem Zitat aus Bernhards SL-Profil:
"Den Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe. Das heißt: Je mehr wir zu lieben und uns hinzugeben fähig sind, desto sinnvoller wird unser Leben."
Hermann Hesse

The Drax Files: World Makers [Episode 40: Bernhard Dörries]




Eine Übersetzung der YouTube Beschreibung, gibt es heute nicht an dieser Stelle. Dafür möchte ich mal aufzeigen, wie viel Arbeit sich Draxtor mit einer World Makers Episode macht. Das kann man sich beim Ansehen des fertigen Videos kaum vorstellen.

Es beginnt mit der Aufzeichnung von vielen Stunden RL-Interview, sowohl Audio als auch Video. Dann werden die SL-Szenen gedreht, für die im Vorfeld eigene Szenenbilder und Objekte erstellt oder besorgt wurden. Ebenso müssen Termine für den Dreh mit allen beteiligten SL-Bewohnern gemacht werden. Danach folgt eine erste Auswahl des später vermutlich verwendeten Materials für die Episode und eine erste Rohversion wird zusammengestellt.

Und dann geht die Arbeit erst richtig los. Zunächst muss die passende Musik für die ausgewählten Szenen gefunden und mit der schon vorhandenen Video- und Audiospur vereint werden. Dann werden die visuellen Übergänge zwischen den einzelnen Videosequenzen bzw. zwischen SL- und RL-Szenen ausgewählt und eingefügt.

Drax mit Bernhard in seinem Element
Danach werden Farb- und Helligkeitsunterschiede zwischen RL- und SL-Szenen über eine Farbanpassung ausgeglichen. Anschließend wird ein Titelbild mit Schriftzug für das Video erstellt, ein Beschreibungstext für YouTube geschrieben und Links zum Thema im Web recherchiert. Im Fall von Episode 40, hat Draxtor auch noch eine Englischübersetzung der Audiospur und Untertitel für das Video erstellt.

Zum Schluss wird dann noch einmal alles in einer finalen Version harmonisiert. Und sollte etwas nicht passen, gegebenenfalls noch einmal Szenen ausgetauscht.

Bis zu diesem Punkt hat Drax (zumindest für dieses Video hier) insgesamt fünf Versionen der kompletten Episode erstellt und jedes mal auf YouTube hochgeladen. Da ich immer die Links zu den einzelnen Versionen erhalten habe, konnte ich diesen ganzen Prozess mal nahezu live miterleben. Und da kann ich nur sagen: Respekt!

Links zur Episode:

Allgemeine Links:

Kommentare:

  1. "Manche Leute sagen "Bernhard Dörries.... was für ne Scheiße ist das denn?"
    Der Mann ist der Hammer :-D

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  2. bernhard tauchte irgendwann in einen seniorenforum auf und versuchten dort die "alten" etwas aufzumischen und bekam volle kanne die gischt selbst ab. aber er war derjenige der damals die diskussion zu sl angestachelt hat. nachdem ihm einige zu deutlich ihre meinung sagten, verschwand er wieder aus dem forum.

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    1. Gerade die wirklich guten und besonderen Menschen werden in Foren oft extrem mies behandelt

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