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Dienstag, 28. August 2012

Second Life und das Metaverse

Im Augenblick wird im Web ein Thema in Bezug auf Second Life, OpenSim und andere virtuellen Welten sehr intensiv diskutiert. Die Grunddiskussion dreht sich dabei um diese Fragen:
  • Wie sieht eigentlich das Metaverse der Zukunft aus?
  • Hat Second Life und/oder OpenSim darin einen Platz?
  • Hat Linden Lab darin versagt, aus dem Second Life der Jahre 2006/2007 das Metaverse zu erschaffen?
  • Sollte man Second Life den Rücken kehren und sich anderen Plattformen zuwenden, wenn man beim Aufbau des Metaverse dabei sein möchte?
Der auslösende Blogpost kommt von Fleep Tuque (RL: Chris M. Collins) und wurde am 24. August gepostet. Die Überschrift ihrer Abhandlung lautet in etwa:
"Warum jeder mit einem Interesse am Metaverse Second Life hinter sich lassen muss; und zwar jetzt, nicht später"
Oder in Englisch:
"Why Anyone Who Cares About the Metaverse Needs to Move Beyond Second Life; Now, Not Later"
Grob zusammengefasst schreibt Fleep gleich im ersten Absatz, um was es ihr geht. "Wenn wir zu eigenen Lebzeiten das Metaverse noch erleben wollen, dann müssen wir unsere Zeit, unser Geld, unsere Kreativität und unsere Ressourcen dafür investieren, es entstehen zu lassen. Es wird nicht von Second Life oder Linden Lab kommen und das Metaverse kann nicht warten."

Der gesamte Artikel ist sehr lang und liest man sich die Kommentare dazu auch noch in Ruhe durch, verstreicht locker eine Stunde. Deshalb ist mir eine adäquate Zusammenfassung auch nicht möglich. Fleep war, wie so viele in der Hype-Zeit von SL (2006/2007), ein enthusiastischer Anhänger der Idee, man gehöre zu den Pionieren des neuen Metaverse, ähnlich wie es Neal Stephenson in seinem Roman "Snow Crash" beschreibt. Fleep dachte, Linden Lab würde Second Life zu einer neuen Welt mit endlosen Möglichkeiten und Chancen für diejenigen gestalten, die bereit sind zu lernen, wie man sie nutzen kann.

In den Jahren von 2006/2007 gab es in Second Life auch viele andere Personen, die so dachten wie Fleep. Es schien alles möglich zu sein. Jeder experimentierte, lernte, hatte Visionen. Das Einloggen in SL war wie eine Droge und wo man auch hinteleportierte, fühlte man Aufbruchstimmung. Es führte sogar soweit, dass man dachte, eine bessere Welt zu erschaffen und mit dem so Erlernten auch die reale Welt zu einem besseren Ort machen zu können.

Doch das alles war einmal. Und Fleep vermisst, wie wahrscheinlich viele andere auch, den Drive den SL damals hatte. Die jüngste Entwicklung von Linden Lab und die Richtung, die sie für Second Life eingeschlagen haben, ist für Fleep eine bittere Ernüchterung. Linden Lab hat die Plattform nicht offener gestaltet, sondern immer mehr spezialisiert und den Kontakt zu den Nutzern abreißen lassen. Die ehemals mit IBM entwickelte Möglichkeit eines Intergrid-Teleports zu OpenSim, wurde nicht weiter verfolgt. Die Standardisierung von virtuellen Welten, wie etwa das VWRAP-Programm, nicht umgesetzt. Das Management wurde zweimal gewechselt und jedesmal wurde dabei SL auf eine andere Zielgruppe ausgerichtet. Jetzt seien es eben die Gamer. Unterm Strich scheinen sich Linden Lab und die Visionäre für den Bau einer neuen Welt komplett voneinander entfernt zu haben.

Und nach der Ankündigung von Linden Lab, Second Life als Paket auf der Gamer Plattform Steam anzubieten, ist nun Fleep der Ansicht, dass sich Linden Lab ganz von dem Ideal aus den Anfangstagen verabschieden wird. Der Fokus stehe nur noch auf gewinnbringende Unterhaltung und Verkauf virtueller Güter. Ein Metaverse der Zukunft wird mit Linden Lab damit gänzlich unmöglich sein. Und das bringt Fleep eben zur Ansicht, dass jeder, der das kommende Metaverse mitgestalten möchte, keine Energie mehr in SL investieren sollte. Verlassen bräuchte man SL dazu nicht (macht Fleep auch nicht), denn es sei immer noch eine spannende Geschichte und schließlich habe man sein Inventar, die Friendlist und die vielen schönen Orte. Aber das Metaverse wird wohl von anderen Plattformen geformt, wie OpenSim, Unity3D und weiteren neuen Technologien, die in den Startlöchern stehen.

In der Folge führt Fleep noch alle Nachteile auf, die gegen Second Life als Metaverse sprechen. Hohe Landkosten, keine Sicherungsmöglichkeit der eigenen Arbeiten, kein Zugang des Avatars zu anderen Plattformen und die Unsicherheit, dass Linden Lab irgendwann mal den Stecker zieht. Als Alternative führt Fleep dann OpenSim und das Hypergrid an, das heute dem Second Life aus frühen Tagen am nächsten kommen würde. Nicht geeignet seien allerdings die in sich geschlossenen OpenSim Grids wie InWorldz, SpotOn3D oder Avination, denn das wäre im Grunde nichts anderes, als SL.

Am Ende äußert sie dann noch einmal ihre Empfehlung, nicht länger das "Hoffen und Warten"-Spiel in Second Life zu spielen, sondern das Metaverse woanders aufzubauen.


An den Kommentaren zu diesem Artikel sieht man deutlich, dass viele mit diesen Ausführungen von Fleep übereinstimmen. Darunter auch einige bekannte Namen aus dem aktiven SL-Umfeld. Andere wiederum stimmen nur in Teilen zu und sehen nach wie vor für SL einen Platz in einem möglichen Metaverse der Zukunft. Und wieder anderen ist das Metaverse im Grunde völlig egal und sie sehen SL als einmalige Plattform, die immer noch jedem das ermöglicht, was er gerne machen möchte.

Insgesamt ist der Diskussionsstrang fast noch interessanter zu lesen, als der eigentliche Artikel (mit Außnahme der ewig streitsüchtigen Diskutanten zum Thema "SL vs. OS vs. illegaler Content"). Nimmt man dann noch die vielen Blogs dazu, die Fleeps Gedanken in eigenen Artikeln weiterführen (Links dazu siehe unten), dann habe ich das Gefühl, dass hier eine Thema angesprochen wurde, das viele irgendwo im Untebewusstsein wahrgenommen haben, aber bisher nicht so umfassend in Worten zum Ausdruck brachten.

Natürlich habe ich mir auch meine Gedanken dazu gemacht. Allerdings finde ich es schwer, meine persönlichen Vorlieben in SL und die globale Sicht auf ein Metaverse unter einen Hut zu bringen. Ich kann den Betrachtungen von Fleep auf jeden Fall zum Teil zustimmen. Als ich 2007 zu Second Life kam, habe ich auch die Erwartung gehabt, dass diese virtuelle Welt die Zukunft der 3D Webanwendungen sein würde. Ich war ebenfalls euphorisch und ging davon aus, dass SL immer weiter wachsen und irgendwann einmal untrennbar mit dem Internet verbunden sein würde. Ich hoffte auf Live-Konzerte vor tausenden von Avataren, dass jede Firma auf der Welt einen Sim in SL haben würde, dass ich im virtuellen Supermarkt meinen täglichen Einkauf mache und die Waren mir kurz danach an die Haustür geliefert werden, dass ich Erledigungen auf öffentlichen Ämtern irgendwann im virtuellen Nachbau meiner Stadt hätte machen können, usw. usf.

Aber so hat es sich eben nicht entwickelt. Und im Artikel auf New World Notes, in dem Wagner James Au auf Fleeps Betrachtung eingeht, spricht er davon, dass Linden Lab auch niemals die Absicht hatte, diesen Weg zu gehen. Dem stehen zwar viele Aussagen aus der Hype-Zeit von Philip Rosedale und Cory Ondrejka gegenüber. Aber richtig ist auch, dass im Alpha Stadium von SL, als es noch Linden World hieß, das Ganze zu einem Shooter Game ausgebaut werden sollte.

Zustimmen kann ich Fleep auch noch darin, dass im Management von Linden Lab viele Fehler gemacht wurden, die einer positiveren Entwicklung von SL eher im Weg gestanden haben. Gerade Mark Kingdon (M Linden) hat vielen mit seiner gescheiterten Geschäftskunden Politik die Hoffnung auf ein freies Metaverse genommen. Bei der Frage, ob nun SL generell nicht mehr als zukunftsfähiges Konzept geeignet sei, geht meine Sichtweise dann in eine andere Richtung, als im hier angesprochenen Artikel.

Second Life ist aktuell für mich immer noch die am weitesten entwickelte virtuelle Welt, die frei zugänglich ist. Es mag sein, dass daraus nie ein Teil des Metaverse wird. Aber ich sehe im Moment auch keine andere Plattform, die dazu mehr Potential hätte. Die Entwicklung von SL ist nicht so gelaufen, wie ich es mir vor fünf Jahren gewünscht hatte. Trotzdem habe ich die tatsächlichen Änderungen, die Second Life vollzogen hat, nie als negativ empfunden. Es war für mich immer spannend zu beobachten, wie neue Funktionen und Technologien Einzug gehalten haben und mehr oder weniger gut funktionieren. Dass nun Rod Humble versucht, SL für Gamer interessanter zu machen, stört mich ehrlich gesagt auch nicht. Denn die Möglichkeit kreativ in SL zu sein, wird dadurch ja nicht weggenommen.

SL hat sicher viele Macken und Schwachpunkte. Und unter der Leitung von Linden Lab wird es wohl auch keine Öffnung mehr zu anderen Plattformen geben. Aber ich bin selbst kein Pionier, der das Metaverse unbedingt mitgestalten möchte. Ich will einfach nur Abends nach der RL Arbeit etwas abschalten und mich der Immersion einer virtuellen Welt hingeben. Und da bietet mir Second Life alles, was ich dazu brauche. Das Metaverse, so wie es sich Fleep in ihrem Artikel wünscht, wird aus finanzieller und technischer Sicht noch lange Zeit nicht machbar sein. Also bleibe ich bei dem, was für mich dieser Vision am nächsten kommt.

Uff, eigentlich habe ich zu diesem Thema noch viele andere Gedanken. Ich bekomme sie nur nicht in verständliche Worte gepackt. Zum Abschluss vielleicht noch für alle, die bis hierhin nur Bahnhof verstanden haben, die (von mir übersetzte) Wikipedia Beschreibung des Begriffs "Metaverse". In der deutschen Wikipedia ist dieser Begriff noch nicht einmal vorhanden:
"Das Metaverse ist unsere gemeinsam genutzte Online-Umgebung, erschaffen durch die Konvergenz einer virtuell verbesserten physischen Realität und dem physikalisch dauerhaften virtuellen Raum, einschließlich der Gesamtheit aller virtuellen Welten, Augmented Reality und des Internet. Das Wort Metaverse ist ein Kunstwort aus dem Präfix "meta" (also "jenseits") und "Universum" und wird in der Regel verwendet, um das Konzept einer künftigen Entwicklung des Internet zu beschreiben, welches sich aus der Verbindung von dauerhaften, gemeinsam genutzten, virtuellen 3D Räumen zu einem wahrnehmbaren virtuellen Universum bilden wird."
"Der Begriff wurde in Neal Stephensons Science-Fiction-Roman Snow Crash von 1992 geprägt, wo Menschen als Avatare untereinander, und mit Software-Programmen, in einem dreidimensionalen Raum interagieren, der im übertragenen Sinne der realen Welt entspricht. Stephenson prägte den Begriff, um einen auf virtuelle Realität gestützten Nachfolger für das Internet zu beschreiben. Konzepte mit Ähnlichkeit zum Metaverse, erschienen unter einer Vielzahl von Namen im fiktionalen Cyberpunk-Genre beginnend mit der Novelle True Names im Jahr 1981."

Quelle: wikipedia.com

Und hier nun viele Links zum Thema. Einmal zum ursprünglichen Artikel und dann zu einer Welle von Reaktionen darauf in anderen Blogs:

Fleep Tuque (Fleep's Deep Thoughts):
>> Why Anyone Who Cares About the Metaverse Needs to Move Beyond Second Life...

Botgirl Questi (Botgirl's Identity Circus):
>> My take on the future of the Metaverse: If there has been a failure, it is ours
>> More thoughts on the present and future Metaverse

Dr. Matthieu J. Guitton (Cyberbehavior and Cyberworlds):
>> Comment: On the Metaverse

Wagner James Au (New World Notes):
>> Second Life is Not the Metaverse -- But That's Not What It Was First Invented to Be

Honour McMillan (Honour's Post Menopausal View):
>> Second Life, the Metaverse & Everything

Will Burns (Andromeda Blog):
>> Snow Crashing

Darrius Gothly (DGP4SL Blog):
>> Fleep’s Right-On Thoughts

Kommentare:

  1. Ja, also ich möchte dieses Metaverse nicht zu meinen Lebzeiten haben, und von mir aus kann das Metaverse bis zum St. Nimmerleinstag warten.
    Und wer Snow Crash gelesen hat und trotzdem noch ein Metaverse haben möchte, nun der wird auch die "Rattendinger" haben wollen, müssen.
    Denn bei Stephenson ist das Eine nicht ohne das Andere zu haben . Und ob das nun Matrix oder Metaverse oder Cyberspace heisst, ob da Avatare oder Surrogates
    rumlaufen, ist dabei noch völlig egal. Das ist mir doch zu sehr Realitätsflucht.

    Und, Maddy, einkaufen im irrealen Supermarkt? Das ist vielleicht bequem, aber ich muss die Sachen sehen und das Obst und Gemüse auch anfassen und auswählen können. Bei einer fetten Druckstelle, die ein Pirfrsich hat, wirds dann schon schwierig das im Metaverse feststellen zu können. :)

    Was ich so überhaupt nicht verstehe, ist, dass der "Drive" angeblich weg ist, bei vielen Leuten. Vermutlich sind diejenigen die jetzt so drivelos vorsichhindümpeln und das scheinen ja einige zu sein, unzufrieden damit, das ihre, immer etwas seltsam diffus beschriebenen Vorstellungen sich nicht verwirklicht haben. Dabei ist SL immer noch "Your world, Your imagination"

    Wobei immer öfter bei solchen Blogs, um mal auf Fleep zurückzukommen, dieses "Was ist wenn LL den Stecker zieht?" als dräuendes Unheil (oder als SuperGau oder als Menetekel an der Wand) beschrieben, und mit als Begründung für ein sichverabschieden aus SL herangezogen wird. Mal echt jetzt, was ist dann? Na, nix. Wenn Opel in Bochum zumacht, dass ist ein Problem. Aber ok, wer SL zu seinem einzigen Lebensinhalt gemacht hat, wird sich wohl hinhängen müssen oder sowas.
    All diese Argumente, die dann meist kommen, wie zB "ja aber ich habe soviel Zeit und Geld investiert".... und dabei deinen Spaß gehabt, und eine Menge gelernt oder nicht? So ist da nun einmal bei einem Hobby. Willkommen in der Realität.

    Dazu dann noch ein wenig rührselig in der Vergangenheit schwelgen, ob der hehren Ziele die "wir" einmal hatten und ein, weil's grad so schön in ist, Oh mein Gott, SL wird zu einem Spiel... um dann auf das alleinseligmachende Opensim zu verweisen. Mit einem Satz wie:The metaverse is not going to grow out of Linden Lab or Second Life, it’s that simple, führt sich die Gute Fleep mit ihrer: Opensim ist der Anfang des Metaverse, selbst ad absurdum. Denn wenn ich mich nicht ganz irre, wurde Opensim erst möglich durch SL bzw LL
    Das ist dann doch alles viel zu durchsichtig, argumentativ ziemlich armselig und letzlich auch eine Beleidigung der Intelligenz der Leser.

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  2. LL müsste - um nicht den Anschluss zu verlieren - einen 3D-Webseiten-Editor entwickeln, mit dem man Webseiten im Stile von SL
    erstellen und/oder mit dem man seine in SL bestehenden Parzellen usw. direkt zu seiner persönlichen Webseite machen könnte.
    Das Internet ist doch schließlich selbst das Metaverse, nur ist es eben noch 2D und nicht 3D gestaltet.
    LL könnte mit solcher 3D Homepage-Software tatsächlich noch mal zu einem Marktführer des Internets werden,
    denn die Zukunft des Webs wird sicher 3D sein - mit oder ohne LL ...

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  3. @Natascha:
    Das Einkaufen bezog ich mehr auf alles andere, außer frischen Nahrungsmitteln.^^ Dinge wie Dosensuppen, Schokoriegel, Nudeln, usw. reiße ich im Supermarkt auch nicht auf, um zu gucken, ob da was 'ne komische Farbe hat. Dazu kommen alle die anderen Sachen: Duschgel, Spülmittel, Müllbeutel, Taschentücher und, und, und. Sowas würde ich mir alles in einem virtuellen Supermarkt kaufen, wenn es das in SL gäbe. Sowas gibt es heute ja im Grunde auch schon Web, z.B. bei Rossmann, Supermarkt.de, usw. Aber Bildchen auf einer Webseite angucken, ist schon wesentlich langweiliger, als mit 'nem Avatar und einem Einkaufswagen (von Bryn Oh ;-) durch einen SL-Aldi zu wandeln. Unterm Strich meine ich sowas, wie hier: >> SAP TV: Future Retail In SecondLife.

    Und das mit dem "Drive", der 2007 in SL zu spüren war, sehe ich zum Teil schon so, wie es Fleep zu Beginn ihres Artikels beschreibt. Ich komme aus Frankfurt (RL). Damals gab es in SL einen Simverbund von 10 Regionen, auf denen verschiedene Stadtteile von Ffm nachgebaut waren. Die Regionen waren jeden Tag gut gefüllt mit Avas und die Betreiber hatten zu dieser Zeit große Pläne, die ganze Stadt zu virtualisieren. Aber irgendwann ging das Interesse der Sponsoren verloren, später blieben dann auch die Leute weg und Region für Region wurde im LL-Ozean versenkt. Heute gibt es nichts mehr davon. Das gleiche Schicksal sehe ich mittelfristig auch für Germany in 3D. Meiner Ansicht liegen die Gründe dafür auf beiden Seiten: Einmal haben sich so manche Sim-Owner ziemlich überschätzt, was die längerfristige Finanzierung von Regionen angeht. Auf der anderen Seite hat aber LL nichts zum Thema Werbung und Öffentlichkeitsarbeit beigetragen, um solche Projekte (oder SL generell) in der realen Welt zu promoten.

    Und sei mal ehrlich - du bist doch auch schon seit 2007 in SL. Hast du dir damals nicht auch irgendwie vorgestellt, dass sich SL zu etwas anderem entwickelt, als es heute der Fall ist. Zu einem Standard, der genauso seinen Platz hat, wie das Internet selbst? Bei mir war es jedenfalls so.

    Obwohl das nun aber alles nicht eingetreten ist, jammer ich trotzdem nicht rum, wie einige andere. Wer meine Beiträge zu SL etwas großflächer betrachtet wird sehen, dass ich diese Plattform mag, so wie sie ist. Mich hat es nur erstaunt, dass der Artikel von Fleep so dermaßen eingeschlagen hat. In den Kommentaren haben sich viele Leute in langen Darstellungen ihrer Sicht dazu geäußert, die ich eigentlich für sehr kompetent halte (z.B. Gwyneth Llewelyn, Luna Bliss, Dizzy Banjo, Chestnut Rau,...). Ebenfalls bemerkenswert ist die große Zahl anderer Blogs, die das Thema aufgenommen haben und dort ihre eigene Sicht der Dinge darlegen (ich habe hier oben nur einen Teil davon herausgesucht). Stellt man dieses Thema nun aber den global-galaktischen Problemen unserer realen Welt gegenüber (z.B. Opel in Bochum), dann ist die Diskussion ums Metaverse der Zukunft natürlich pillepalle. Nur können wir dann auch generell aufhören, über virtuelle Belange und Hobbies zu sprechen.

    Btw, Fleep hat ihren Text nicht als Rechtfertigung zum Verlassen von SL geschrieben. Sie ist Teil der Chilbo Community in SL und möchte es auch bleiben. Sie glaubt nur nicht mehr daran, dass sich SL zu einem Standard entwicklen wird, der noch irgendwelche Trends setzen kann oder gar ausbaufähig wäre.

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  4. Ich kann Fleep auch nur im geringen Teilen zustimmen. Denn meiner Meinung nach ist zu großen Teil jede virtuelle Welt nur so gut, wie ihre Avatare, und was sie daraus machen. Second Life bietet uns eine Menge Möglichkeiten und Werkzeuge zur Gestaltung des Grids. Nur müssen die genutzt werden.

    Wenn es immer mehr Nutzern im Grid ausreicht Partys zu feiern oder nur fertige Sachen von der Stange zu kaufen und nichts selbst zu gestalten, dann ist es so. Auch in jedem anderem Grid, auch in einem Metaversum wird dann nicht viel mehr passieren. Der Unterschied zu den Anfängen ist eben die veränderte Nutzungpriorität der Bewohner in Sencond Life. Fragt mal nach wer von den Newbies Lust hat das Bauen , das Scripten etc. zu lernen. Hier verzeichnen die SL-Schulen einen Rückgang. Kreativität ist seitens der Nutzer eben nicht mehr so gefragt. Und die braucht eben jedes Grid zum großen Teil um das zu erreichen was Fleep vorschwebt.

    Aber, das noch nicht alle Hoffnungen verloren sind, haben mir die diesjährige SL9B und die Veranstaltungen zum Relay for Life gezeigt. Hier war der Spirit zu spüren, hier war Kreativität.

    Insofern sehe ich weiterhin hoffnungsvoll den nächsten Jahren in Second Life entgegen.

    Die Niki

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  5. Puh,..war anstrengend sämtliche Blogs zum Thema zu lesen^^

    Ich weiß nicht wozu es unbedingt es eine große gemeinschaftliche Schnittstelle aller virtuellen Welten geben soll.
    Gerade durch die Vielfalt verschiedener Konzepte existiert das "Metaverse" doch bereits^^

    Auch diese ewigen Diskussionen zum Thema SL ist Mist,OS ist klasse" oder umgekehrt ermüden mich.

    Auch ich sehe die Veränderungen innerhalb SL der letzten Jahre eher gelassen.

    OS in seiner derzeitigen Form wird auch niemals das ultimative "Metaversum"

    Wozu auch..
    Hauptsache wir haben Freude an unseren virtuellen Welten. Obwohl ich nun schon bald drei Jahren ein OpenSim-Grid betreibe zieht es mich nach wie vor auch ins' SL :-)

    Oki,..war vielleicht etwas "offtopic"^^

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  6. habe gerade ein vier jahre altes Video wieder entdeckt. Vor dem Durchbruch des OS-Hypergrids gab es ja bereits Erfolge bezüglich HG-Sprünge von SL-OS
    http://www.youtube.com/watch?v=v45EOma7wDo
    Leider wurde es nicht weiter verfolgt :-)
    Wenn selbst ohne großes Inventar vielleicht doch mal Sprünge von SL-OS und umgekehrt möglich wären,.. DAS wäre ein Durchbruch.

    In diesem Punkt finde ich LL etwas seltsam. Wenn sie sich ihrer Sache,..ihres Vorsprungs doch so sicher sind,..warum unterbinden sie es?
    Weil Besucher entdecken könnten,..das sie mit wenig Kohle große Bauprojekte verwirklichen könnten,..und wohlmöglich abspringen??
    Sicher,..technisch mittlerweile auch nicht mehr ganz einfach,..OS hat sich durch sein eigenes Hypergrid weiter entwickelt,..ebenso ist die LL-Software sicher nicht mehr die von 2008^^
    Aber träumen wird ja mal erlaubt sein.

    Dank Havok und einigem mehr ist SL doch technisch überlegen,..also etwas mehr Selbstvertrauen,..Herr Humble^^

    Ein friedliches nebeneinander und sich nicht abschotten wäre ein großer Schritt nach vorne.

    Die User werden sich eh für das Konzept entscheiden,..welches ihr favorisiertes Grid ihm bietet :-)

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  7. @Nikira:
    Stimmt, die beiden Events SL9B und RFL2012 waren großartig in diesem Jahr. Und sie zeigten auch, dass immer noch viele kreative Nutzer in SL unterwegs sind.

    Dass Newbies heute kaum noch Lust haben, sich kreativ in SL zu beschäftigen, stimmt aber auch. Die Smartphone-Generation möchte möglichst ohne Aufwand und Einarbeitung irgendwo was erleben. Die Technologie hat einfach zu funktionieren, ohne dass man sich um irgendwelche Einstellungen kümmern muss. Ich glaube, viele verzweifeln da schon beim Viewer und haken SL schnell als zu komplex ab.

    Wenn ich in SL unterwegs bin, treffe ich kaum auf Installationen, coole Sims oder gute Shops, die von einem "Avatar.Resident" erstellt wurden. Meistens sind es die alten Hasen, die in SL gestalterisch einiges bewegen. Deshalb wäre es aus meiner Sicht nicht schlecht, wenn Linden Lab mal sowas, wie eine Doku-Reihe über SL erstellen würde, in der wirklich mal umfassend gezeigt wird, was diese Plattform alles zu bieten hat. Wenn so eine Doku gut gemacht ist, dann wird sie auch in TV und Web gezeigt. Und viele Leute könnten sich dann besser ein Bild davon machen, wie vielseitig SL tatsächlich ist.

    @Dorena:
    Nee, war nicht offtopic. "Das" Metaverse ist technisch sowieso noch ferne Zukunft. Und so lange ich in SL meinen Spaß habe, brauche ich keins. Fakt ist aber auch, dass seit über einem Jahr immer weniger Nutzer in SL einloggen, immer mehr Regionen verschwinden, das Mainland größtenteils eine leere Wüste ist. Andererseits würde ich aber gern noch als Rentner in SL einloggen können.

    Sollte der jetzige Trend nicht irgendwann gestoppt oder sogar umgekehrt werden, dann wird es früher oder später ein Ende von SL geben. Denn LL wird sicher nichts draufzahlen, damit die verbliebenen Nutzer weiter ihren Spaß haben. Damit geht zwar nicht die (RL) Welt unter, wie Natascha oben schon angemerkt hat, aber ich würde SL dennoch vermissen. :)

    Und der Intergrid Teleport wäre eine feine Sache. Nur leider wird das LL nicht umsetzen. Landkosten und Contentschutz stehen dem einfach entgegen.

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  8. Maddy sagt:
    "Und der Intergrid Teleport wäre eine feine Sache. Nur leider wird das LL nicht umsetzen. Landkosten und Contentschutz stehen dem einfach entgegen."
    Wäre der Intergrid-TP auf reiner Besucherebene möglich,gäbe es auch keinen Problem wegen den Contentschutz :-)

    Die erste Voraussetzung für ein globales Metaverse ist eine freie software. Der Apache-Webserver ist ein gutes Beispiel. Kostet nüscht und kann,wird eben auch für einen Großteil sämtlicher Webseiten genutzt.

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  9. LyAvain Swansong30. August 2012 um 11:18

    Danke für den Hinweis auf Fleeps Beitrag...

    Ich stimme ihr weitestgehend zu, denn auch ich vermisse mittlerweile einiges in SL. Aber trotzdem nutze auch ich SL immer noch gerne als RP Plattform.

    Aus meiner Sicht entwickeln sich die SL User immer mehr zu Konsumenten und immer weniger User sind wirklich aktiv kreativ tätig. Das empfinde ich als schade... Aber die Kosten, wenn man wirklich aktiv baut sind in SL auf Dauer einfach doch sehr hoch.

    Zum kreativ austoben bin ich seit über einem Jahr ins OpenGrid abgewandert, weil ich dort mehr Möglichkeiten habe und dort auch mehr krative "Spinner" rumrennen mit denen man unkompliziert was auf die Beine stellen kann.

    Die geamte Community ist zwar winzig im vergleich zu SL aber irgendwie auch herzlicher. Wer nicht wie ich in einer wirklich tollen RP Gruppe mitspielt oder eine andere tolle Community gefunden hat, wird sich im SL sehr verloren vorkommen.

    Und nur shoppen und Avi gestalten ist auf Dauer auch langweilig.

    Bleibt abzuwarten was die Zukunft bringt.

    Liebe Grüsse
    Ly

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  10. Hallo Maddy,

    ich freue mich, dass deine gedankliche Auseinandersetzung mit dem langen Artikel von Fleep so intensiv war.

    Noch mehr würde ich mich freuen, wenn in Folge dessen zukünftig deine nachfolgenden Beiträge etwas versöhnlicher mit den - wie du so gerne verächtlich schreibst- "üblichen Verdächtigen" unter den Kritikern gerade im deutschsprachigen Raum an Linden Lab reagieren würdest.

    Ich bewundere deine Fan-Eigenschaften SL-bezüglich. Aber wäre es es nicht wert, deinen beachtlichen deutschsprachigen Fan-Blog einem noch größeren Kreis nahezubringen, wenn er den Status eines nloßen SL-Fan-Blogs überwinden würde?

    Es mag ja sein, das vielen, wie dir und Natascha, ausreicht, was sie vorfinden. Spaß am Entdecken haben und sich ausreichend kreativ bestätigt fühlen.
    Selbst ich nehme SL in Schutz gegenüber denjenigen Außenstehenden, die immer noch das Bild von SL aus dem Jahre 2007 vor Augen haben (miese Grafik).

    Dennoch ist nicht zu übersehen, dass beim Quantensprung zur Erzeugung virtueller Welten von Linden Lab als dem damals gehypten Motor vieles verschlafen wurde und mit Linden Lab nicht mehr zu rechnen ist.

    Projekte wie mit IBM klammheimlich einschlafen zu lassen war ein großer Fehler ungeahnten Ausmaßes. (Wie hiess es damals: "Ein kleiner Sprung für die menschheit, ein großer Sprung für virtueller Welten und das Metaverse").

    Die größten Kritiker an Linden Lab sind eben die Visionäre von einst.
    Und gerade die trauen Linden Lab nicht zu, dass es Linden Lab ist, die es aus dem Gardner-Tal schafft. Gardner wird wohl da die anderen im Auge haben, aber nicht Linden Lab. Linden Lab scheint sich zwar wirtschaftlich zu konsolidieren, aber es ist nichts mehr da von visionärer Kraft, die LL auszulösen imstande ist.

    Pathfinding mag zwar nett sein, neue Kundenkreise zu gewinnen. Aber Ausgangspunkt für etwas Aufsehen erregendes ist das nicht, wenn es um das Revolutionäre beim Thema Metaversen geht.

    Hochachtungsvoll
    Linda Paine

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  11. @Linda:

    Ich will gar nicht mehr haben, als einen bloßen SL-Fan-Blog. Mein RL lässt mir nicht die Zeit, mich auf anderen Plattformen groß umzusehen. Mal in OpenSim irgendwo einloggen, oder die Entwicklung von Cloud Party mit einem Auge mitverfolgen - das wars dann schon. Und darüber schreibe ich dann auch gelegentlich in meinem Blog. Aber wie ich oben schon geschrieben habe, zähle ich mich nicht zu den Pionieren. Ich bin ein Konsument und aus dieser Sichtweise berichte ich meinen Beiträgen.

    Für mein Empfinden bringen auch die ganzen Kritiken an SL nichts, wenn man immer nur aufzeigt, was alles falsch gelaufen ist. Das Linden Lab diese Kritiken nicht hört, müsste inzwischen jeder mitbekommen haben. Dennoch sehe ich bisher nirgends, dass sich die visionären Kritiker mal irgendwo formiert hätten, um ein besseres und innovativeres Produkt zu erschaffen. Das müsste doch eigentlich ganz einfach sein, wenn man all die "guten" Ideen derer zusammenpackt, die SL als gescheitert ansehen. Und dann findet man bestimmt auch ein paar Geldgeber, die das Ganze finanzieren, so wie es einst bei Philip Rosedale der Fall gewesen ist.

    Vielleicht schafft es ja OpenSim mit dem Hypergrid, sich irgendwann einmal aus ihrem inzwischen 6-jährigen Alpha Status heraus zu entwickeln. Vielleicht gelingt es Cory Ondrejka, aus Cloud Party irgendwann einmal eine Plattform zu erschaffen, die über die kreativen Möglichkeiten von SL hinausgeht. Aber beides sehe ich, wenn überhaupt, noch in weiter Ferne. Und so lange da einfach nichts Adäquates ist, bleibe ich mit Sack und Pack in SL und verteidige "meine" Welt gegen für mich ungerechtfertigte Kritik.

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